Im Herbst vergangenen Jahres hat der Verein „Aeternitas Verbraucherinitiative Bestattungskultur“ eine interessante Statistik veröffentlicht: Demnach gehen Fachleute davon aus, dass rund die Hälfte der rund 35.000 Hektar Friedhofsflächen in Deutschland nicht mehr benötigt werden. Der Grund: „In Deutschland werden mittlerweile mehr als zwei Drittel der Verstorbenen eingeäschert, vor 25 Jahren war das Verhältnis zwischen Erd- und Feuerbestattungen noch umgekehrt. Urnengräber benötigen jedoch allesamt weitaus weniger Platz als Sarggräber. Auch finden immer mehr Beisetzungen außerhalb klassischer Friedhöfe statt, insbesondere in Bestattungswäldern oder auf See. Darüber hinaus werden die Nutzungsrechte an großen Familiengrabstätten immer seltener verlängert“, nannte Aeternitas die Gründe.

Zwischen Pietät und Wirtschaftlichkeit

Doch was tun mit den sogenannten Überhangflächen auf den Friedhöfen? Hier spielen nicht nur wirtschaftliche Faktoren eine Rolle, sondern auch Fragen der Pietät: „Viele Menschen hängen an ihren Friedhöfen, weshalb die vollständige Schließung eines ganzen Friedhofs besonders umstritten und nur selten eine Option ist“, betonte der Verein in seiner Information. Zugleich dürften die Kosten für Pflege und Unterhalt überflüssiger Friedhofsflächen nicht den Gebührenzahlern aufgebürdet werden. So kommen wieder der Verkauf oder die Umnutzung ins Spiel.

Bürgerbeteiligung über Zukunft der Friedhöfe wichtig

Wichtig aber, so betonte Aeternitas im Herbst 2019, sei die Beteiligung der Menschen: „Vorbildlich eingebunden werden die Bürger zum Beispiel in Hamburg im Rahmen des Projekts “Ohlsdorf 2050”. Auf dem Friedhof Ohlsdorf wird schon heute nur noch ungefähr die Hälfte der knapp 400 Hektar als Grabflächen genutzt, bis 2050 wird es voraussichtlich nur noch rund ein Viertel sein. Bei der Frage, wie die Zukunft des Friedhofs gesichert und die Grünflächen zum Teil anders genutzt werden können, steht in Hamburg für die Behörden und die Friedhofsverwaltung die Beteiligung der Bürger an zentraler Stelle. Auch in Köln, wo über die Hälfte der Flächen der insgesamt 55 städtischen Friedhöfe nicht mehr für Bestattungen benötigt werden, werden unter dem Motto “Kulturraum Friedhof 2025” die Ideen und Wünsche der Bürger zur Nutzung der Friedhofsflächen abgefragt.“

Nicht am Bedarf vorbei planen!

Im Fokus der Betrachtung, was mit ungenutzten Friedhofsflächen künftig geschieht, sollte vor allem eine solide Bedarfsplanung stehen. Dabei muss es primär darum gehen, Bestattungsformen anzubieten, die von den Angehörigen tatsächlich angenommen werden. Aktuell geht der Trend anhaltend stark in Richtung Urnenbestattung, vermehrt auch in Kolumbarien. Dieses Angebot sollte entsprechend gestärkt werden.